Die Panzerstraße Böblingen – Stuttgart als Radschnellweg?

Wir veröffentlichen hier den Brief eines Vaihingers an Verantwortliche in Land und Kommunen.

Quelle: commons.wikimedia.org

Seit ich in Vaihingen wohne (1979) kenne und schätze ich die ‚Panzerstraße` nach Böblingen: eine mehrere Kilomter lange, sorgfältig gepflasterte Straße, wie man sie in unserem Land kaum mehr irgendwo findet. Ein eindrucksvolles Zeugnis für hohes handwerkliches Können. Ein Architekturdenkmal, selbst wenn es – wie erfreulicher Weise seit kurzem erfolgt – keinen offiziell-amtlichen Schutz hätte. Unbestritten: Angelegt in der NS-Zeit für militärische Zwecke, als Verbindung zwischen den beiden Panzerkasernen in Böblingen und Vaihingen. Daher ist die verbreitete Bezeichnung ehrlicher und sinnvoller als das manchmal zu lesende ‚Römerstraße‘: Selbige dürften sich dort kaum je bewegt haben.
Ich bin diese Straße zahllose Male gegangen, gefahren und getrabt, als Spazier gänger, als Radfahrer und vor allem als Jogger. Ich kenne sie zu jeder Tages/Nacht- und Jahreszeit und weiß, wie sie frequentiert wird. Allerdings hat mich schon immer gestört, dass man sie an einigen Punkten aufgebrochen hat, und diese Stellen dann der Einfachkeit halber mit Asphalt zugeschmiert wurden anstatt das Pflaster wieder einzubringen: regelrechte Wunden in diesem Baukörper!

Jetzt plant das Land mehrere ‚Radschnellwege‘. Jeder, der umweltverträgliche und zukunftsorientierte Mobilität wünscht, wird Maßnahmen begrüßen und unterstützen, die den Radverkehr fördern. Ich selbst besitze seit über zehn Jahren kein Auto mehr, bin also nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, mit dem Fahrrad und zu Fuß.

Aber wo soll nun der erste dieser Schnellwege entstehen? Ausgerechnet auf der Panzerstraße! Sie soll asphaltiert werden, also im wörtlichen und übertragenen Sinn ‚platt gemacht‘, damit Radfahrer ein bisschen bequemer und schneller vorwärts kommen. „Der Baubeginn steht unmittelbar bevor“! Als erster Schritt der Radförderung wird also ein Baudenkmal zerstört! Und ‚zerstört‘ ist der hier passende Begriff. Dem Vernehmen nach verstieg sich einer der Projektförderer zu der Behauptung, sie werde dadurch ‚geschützt‘. Geht es noch perverser, geht es noch absurder? Franz Kafka lässt grüßen! Warum dann nicht gleich eine Betonkuppel über das Neue Schloss legen – dadurch würde es doch auch ‚geschützt‘?
Doch damit nicht genug. Man plant diese Barbarei, obwohl es bereits eine hervorragend ausgebaute, für den Radverkehr weit besser geeignete Verbindung gibt: die alte B 14! Sie hat wesentlich flachere Anstiege und Gefälle. Der finanzielle Aufwand, um dort eine Radtrasse anzulegen, wäre spürbar geringer als bei der ‚Bearbeitung‘ der Panzerstraße, und auch der Umwelteingriff erheblich schonender. Der Bezirksbeirat Vaihingen hat diese Wegführung bereits einstimmig empfohlen. Bis das realisiert ist, gilt: Wer die Panzerstraße mit dem Rad befahren will, kann das und tut das auch heute schon ohne Probleme: auf dem Pflaster, auch bei Regen, auch mit Herbstlaub! Und ich weiß, wovon ich rede.

Diese Straße zur Fahrrad-Autobahn ausgebaut – welche Folgen wird das für Spaziergänger, Walker, Jogger oder auch Normal-Fahrer haben? Müssen sie dann nicht ständig damit rechnen, von Kampfradlern verscheucht oder gar umgemäht zu werden, für die nur Geschwindigkeit zählt? Was wird, wenn die Tempobolzer dann das steile Gefälle der Waldburgstraße nach Vaihingen hinunter schießen? Es heißt, es sei sogar Beleuchtung vorgesehen, also eine Lichtschneise kilometerweit durch den Wald! Soll man ein derartiges Projekt eine Kulturschande nennen oder ist es eher ein Schildbürgerstreich?

Mit den Millionen, die man hier verbrennen will – wie viele notwendige und sinnvolle Radwege könnten damit angelegt werden? Allerdings – und das ist offenbar entscheidend: Es wäre nicht so spektakulär, bringt weniger medienwirksame Termine, lässt sich nicht so schnell realisieren und vor allem nicht so gut propagandistisch verwerten. Man will aber so bald wie möglich etwas vorzeigen können!

Ich bin Realist genug um abzusehen, dass solche Überlegungen an der vorliegenden Planung nichts ändern werden. Dass Fakten und Argumente, erst recht der Denkmalschutz, keine Rolle spielen wenn politisches Interesse und Prestigedenken dominieren, dafür gibt es gerade in unserer Gegend eindrucksvolle Beispiele. Die bewährten Prinzipien werden sich wieder durchsetzen: Das wurde so beschlossen (= schnell durch die Entscheidungsgremien gezogen), das Geld ist bewilligt (woher es kommt und ob es sinnvoll verwendet wird spielt
dabei keine Rolle) – das ziehen wir jetzt durch. Wann werden wir die erste große Inszenierung erleben? Verkehrsminister und Inhaber höherer Funktionsstellen in Kommune und Landkreis stellen sich stolzgeschwellt und dekorativ mit Fahrradhelm den Fotografen: „Da seht her, wie erfolgreich wir uns für die Umwelt einsetzen!“ – und anschließend radeln sie sogar ein Stück . . .

Feinstaub Messwerte für Vaihingen

Vielleicht haben Sie es bereits bemerkt. Seit kurzem zeigen wir rechts oben auf unserer Homepage die aggregierten Feinstaubwerte für Stuttgart-Vaihingen an.

Möglich ist dies aufgrund der Engagements von luftdaten.info einer Initiative des OK LAB Stuttgart. Seit 2015 wird daran gearbeitet flächdeckende Feinstaubmessungen zu ermöglichen. Dazu wurde ein Referenzdesign und eine Bauanleitung entwickelt, mit der jeder mit ein wenig Geschick selbst einen Feinstaubsensor bauen und ins Sensornetz von luftdaten.info integrieren kann.

Das Projekt ist ein voller Erfolg! Weltweit haben Menschen Feinstaubsensoren gebaut und stellen die erhobenen Werte zur Verfügung. Auch in Vaihingen gibt es mehrere dieser Sensoren.

Wir stellen nun rechts oben die aggregierten Werte für Vaihingen dar. Dazu werden die Werte der Vaihinger Sensoren abgerufen und es wird der Durchschnitt für die Partikelgrößen PM10 und PM2.5 berechnet und angezeigt.

Die Beobachtung der Werte in der Vergangenheit hat deutlich gezeigt, dass auch in Vaihingen immer wieder Werte jenseits des Grenzwerts von 50 µg/m3 für die Partikelgröße PM10 erreicht wurden. Mit der Ansiedlung von Daimler und der weiteren Verdichtung des Synergieparks und dem damit zunehmenden Verkehr wird sich diese Situation sicher nicht verbessern.

Auch deshalb ist die zusätzliche Ansiedlung der Allianz in einem noch dazu für die Frischluftversorgung wichtigen Bereich unverantwortlich.

Statt der Ansiedlung der Allianz auf einem Sportplatz in einer Grünfläche, sollte die Stadt zunächst dafür sorgen, dass endlich der Vaihinger Bahnhof ausgebaut wird und bestehende Verkehrsprobleme gelöst werden. Zusagen den Vaihinger Bahnhof auszubauen gibt es von den Verantwortlichen in Land und Stadt schon lange. Die Grünen hatten dies auch im Wahlkampf thematisiert und einen Ausbau versprochen. Passiert ist allerdings wenig – es wird höchste Zeit!

Solidarität mit der Mieterinitiative Liebknechtstraße

Die Stadt Stuttgart kommt ihrer sozialen Verantwortung nicht nach! Statt ausreichend günstigen Wohnraum zu schaffen, will die Stadt der Allianz in Vaihingen den roten Teppich ausrollen und die Vernichtung von Wohnraum zulassen. Was sich auf abstrakter Ebene einfach als Versagen der Stadt darstellt ist für die Betroffenen, die auf der Suche nach einer Wohnung sind oder wie im Fall der Liebknechtstraße mit dem Verlust ihrer Wohnung bedroht sind, häufig mit einer individuellen Tragödie verbunden.

Aus diesem Grund sind wir solidarisch mit allen Wohnungssuchenden und ganz besonders mit den Mietern der Liebknechtstraße in unserem Stadtteil, die weichen sollen, um einem Großkonzern neue Profitmöglichkeiten zu eröffnen!

Wir rufen die VaihingerInnen zu Solidarität und konkreter Unterstützung auf: Sammeln Sie Unterschriften für die Mieterinitiative! Lassen Sie uns solidarisch, gemeinsam für eine nachhaltige Stadtplanung, für ein lebenswertes Vaihingen einstehen!

Unterschriftenliste

Die ausgefüllten Listen können Sie am ersten Samstag im Monat auf dem Vaihinger Markt (10 -12 Uhr) beim Infostand der Vaihinger Initiativen oder alternativ am letzten Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr beim VÖS-Treffen im Kanonenbäck abgeben.

Mieterinitiative gegründet

Die Mieter der SWSG-Häuser in der Liebknechtstraße, die den Plänen des Allianzkonzerns und der Stadt Stuttgart zum Opfer fallen sollen haben eine Mieterinitiative gegründet.

Unter dem Titel „Bezahlbare Wohnungen in Stuttgart verteidigen – Kein Abriss der Häuser Liebknechtstr. 39 – 45“ hat die Mieterinitiative einen Flyer veröffentlicht den wir hier gerne auch auf unserer Homepage veröffentlichen.

Wir wollen die Chance nutzen und im Text auch einen kleinen Fehler korrigieren. Zu der Demonstration Im Januar hatten wir, also Vaihingen Ökologisch Sozial (VÖS) aufgerufen.

 

Wir SWSG-Mieter der Liebknechtstr. 39 – 45 kämpfen gegen den geplanten Abriss unserer bezahlbaren Wohnungen für ein Bürogebäude der Allianz. Es gibt im Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen genügend freie Gewerbefläche. Deshalb sind wir dagegen, dass Wohnungen, ein Sportplatz, Grünflächen und eine wichtige Frischluftschneiße zerstört werden!

Die SWSG hat ihr Versprechen, uns gleichwertigen Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen, nicht eingehalten. Zwei Familien erhielten bisher gar kein Angebot, einige von uns wesentlich teurere Wohnungsangebote. Für eine Familie würde der Abriss eine besondere Härte bedeuten und ihre finanzielle Existenz bedrohen und zwei Mieter benötigen zukünftig wegen einer Schwerbehinderung barrierefreie Wohnungen.

Schon Ende Mai 2018 sollen unsere Wohnungen leerstehend der Stadt Stuttgart übergeben werden, ausgezogen ist bisher mangels bezahlbarem, passendem Wohnraum noch keiner von uns Mietern.

Der Abriss der Häuser in der Liebknechtstraße ist kein Einzelfall. In Botnang, in Zuffenhausen, im Hallschlag, in Stuttgart-Ost, in Degerloch und anderswo reißen Wohnungsgesellschaften die letzten noch bezahlbaren Wohnungen zugunsten von teueren Neubauten ab. So wird der Mangel an Wohnungen für Gering- und Normalverdiener, für Familien und Rentner weiter verschärft. Die SWSG und die Mehrheit im Gemeinderat betreibt diese Abriss/Neubaupolitik mit und ist somit mit verantwortlich für Wohnungsnot und Mietenexplosion.

Wir sind der Meinung, dass diese Politik nicht länger widerstandslos hingenommen wird. Deshalb haben wir uns am 19.1.2017 an der von SÖS VÖS organisierten Demonstration gegen das geplante Allianz-Zentrum beteiligt. Manfred Kluge lebt seit 46 Jahren in einem vonAbriss bedrohten Häusern und hat für uns bei dieser Demonstration gesprochen. Er sagte u.a.: Wir sind über die Jahre zu einer Familie zusammengewachsen. Dass das geopfert werden soll, ist der Gipfel des Unzumutbaren“.
Wir haben uns zu einer Mieterinitiative zusammengeschlossen und werden mit einer Unterschriftensammlung und weiteren Protestaktionen gegen den Abriss unserer Häuser und unsere Vertreibung kämpfen. Unterstützen Sie uns.
Wir sind solidarisch mit allen Mietern, die sich in anderen Stadtteilen gegen den Abriss ihrer Wohnungen wehren und wollen gemeinsam mit den Mieterinitiativen Stuttgart gegen Abrisswahn, Immobilienspekulation und Mietenexplosion kämpfen.

Mieterinitiative Liebknechtstraße

Flyer_Mieterinitiative-Liebknechtstr

Klimatische Situation: Vorhaben der Allianz in Vaihingen

Nach der Veröffentlichung der Karte, die die Bebauungsentwicklung in Stuttgart-Vaihingen seit 1948 darstellt. Veröffentlichen wir heute die Folien von Dr. Jürgen Franke. Anhand der Folien hatte Dr. Jürgen bei unserer „Veranstaltung für nachhaltige Stadtplanung und den Stopp der Allianz-Pläne“ die klimatische Situation und die Auswirkungen der Bebauung dargestellt.

  Die folgenden Darstellungen stammen aus dem Entwurf des Luftreinhalteplans. Wir veröffentlichen die Darstellungen mit Genehmigung des Regierungspräsidums Baden-Württemberg.

Neben der allgemeinen Klimaerwärmung haben wir in Stuttgart ein Problem mit dem Feinstaub, welcher das Neckartor inzwischen bundesweit berühmt-berüchtigt gemacht hat. Hier sind oben der Jahresmittelwert für Feinstaubpartikel der Größe 10 μm und unten die Überschreitungstage (die schwarze Kurve ist die Station Neckartor) dargestellt. Während wir die Mittelwerte seit einigen Jahren einhalten, haben wir nach wie vor zu viele Tageswertüberschreitungen. Die Abholzung hunderter Parkbäume, eine staubige Großbaustelle, Gebäudeheizungen und der immer noch zu viele Autoverkehr sind hier als Hauptursache zu nennen. Während beim Feinstaub der Trend wenigstens in Richtung Grenzwerteinhaltung geht, haben wir ein viel größeres Problem mit den Stickoxiden, auch wenn der von der Presse verliehene Titel „Feinstaubhauptstadt“ garnicht darauf hinweist.

 

Hier ist die gleiche Art der Auftragung für Stickoxide (auch hier die schwarzen Kurven für die Station Neckartor) zu sehen. Man erkennt sowohl bei der Anzahl der Einzelüberschreitungen als auch beim Jahresmittelwert sind wir noch weit von der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte entfernt. Da auch hier der Verkehr ein Hauptverursacher ist, sind wohl verkehrsbeschränkende Maßnahmen unausweichlich. Dass viele Dieselfahrzeuge erheblich mehr Schadstoffe ausstoßen als angegeben und erlaubt, erschwert die notwendige Luftqualitätsverbesserung. Fahrverbote werden vermutlich nicht mehr zu umgehen sein.

 

Die Rechte für die folgenden Darstellungen liegen beim Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart, wir veröffentlichen sie hier mit dessen Genehmigung.

Normalerweise kühlt sich Luft ab, wenn sie aufsteigt. Wir haben ja auch in höheren Lagen kühlere Temperaturen als in den Tälern. Abgase haben in der Regel höhere Temperaturen als die Umgebungsluft. Deshalb sind sie im Normalfall auch beim Aufsteigen immer etwas wärmer, was ihnen einen lang anhaltenden Auftrieb gibt. Kommt es nun zu einer Inversionswetterlage, dann entsteht eine Schicht, in der die Temperatur mit der Höhe zunimmt statt abnimmt. Kommt Abgas an eine solche Grenzschicht, ist die Umgebungsluft gleich warm oder wärmer. Der Auftrieb ist weg und die Abgase sammeln sich an dieser Inversionsschicht wie unter einem Topfdeckel. Ist die Inversionsschicht direkt am Boden, spricht man von einer Bodeninversion (rechts im Bild). Ansonsten hat man es mit einer Höheninversion zu tun (links im Bild). Derartige Wetterlagen treten in Stuttgart relativ oft auf, vor allem im Winter.

 

Hier sieht man deutluch den „Topfdeckeleffekt“ einer Höheninversion.

 

Die Rechte für die folgenden Darstellungen liegen beim Stadtmessungsamt der Stadt Stuttgart. Wir veröffentlichen die Karten mit dessen Genehmigung.

Inzwischen sind die lokalen Windsysteme gut bekannt. Sie basieren vor allem darauf, dass sich größere Flächen nachts abkühlen können und diese kalte Luft hangabwärts in die Inenstadt fließt. Die Grafik zeigt die Luftbewegungen im Stadtgebiet. Dicke Pfeile und dunkle Fächen stehen für stärkere Luftströmungen.

 

Dieses Bild zeigt die Kaltluftentstehungsgebiete (schraffierte Flächen). Die blauen Pfeile kennzeichnen die Hangabwinde. Auch hier ist das umstrittene Allianz-Gelände mit einem blauen Punkt markiert. Man sieht, dass eine Bebauung an dieser Stelle die Belüftung in Richtung Innenstadt, Möhringen und Plieningen behindern würde.

 

Wie groß unser ständiger Baulandbedarf ist, zeigen die nächsten Bilder. Hier sieht man im Vergleich den Pfaffenwald 1955 und 2015.

 

Noch deutlicher sichtbar wird das an dem Stadtplanausschnitt von 1965 im Vergleich zu …

 

… 1999. Man sieht, dass nicht nur an einzelnen Stellen, wie dem Pfaffenwald, sondern in der ganzen Stadt massiv Flächen überbaut wurden.

Folgende Darstellungen stammen von uns.

Warum ist die Bebauung nun so problematisch? Einmal natürlich, weil Grünflächen versiegelt wurden. Wo keine Pflanzen wachsen, wird kein Sauerstoff, keine Nahrung für Mensch und Tier produziert. Es geht Lebensraum für Wildtiere verloren, man denke nur an die zuwenigen Insekten bei der Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. In Stuttgart sind diese Grünflächen auch Kaltluftentstehungsgebiete. Dadurch dass sich die bewachsenen Flächen nicht so stark erwärmen, andererseits durch Wasserverdunstung auch abkühlen, kühlt dort, vor allem nachts, die Luft ab. Diese Kaltluft kann nun in Form von Hangabwinden u.a. in den Stuttgarter Talkessel hinabfließen – sofern keine Hindernisse in diesen Hangabwindschneisen stehen. Jedes, vor allem höhere, Bauwerk stellt einen Strömungswiderstand dar. Es ist also bei der Bebauung solcher Frischluftschneisen darauf zu achten, möglichst keine oder nur geringe Strömungswiderstände zu errichten. Auch die Anordung von Bauwerken hat einen Einfluss auf deren Strömungswiderstand. Das hier skizzierte Gebäude behindert die Luftströmung weniger, als …

 

… wenn es um 90° gedreht gebaut würde. Eine Bebauung mit hohen Gebäuden in der ganzen Breite der Frischluftschneise kann eine solche Frischluftströmung auch nahezu unterbrechen.

Die Rechte für die folgenden Darstellungen liegen beim Stadtmessungsamt der Stadt Stuttgart. Wir veröffentlichen die Karten mit dessen Genehmigung.

Im Geoinformationssystem der Stadt Stuttgart ist ein 3-D-Modell der Stadt. Hieraus sind diese und die nächsten Grafiken. Man sieht hier die Frischluftschneise, zwischen Gewerbegebiet und Dürrlewang von der Rohrer Höhe aus.

 

Etwas näher herangezoomt erkennt man das umstrittene Gelände, das von beiden Seiten bereits mit Gebäuden umgeben ist. Wenn man jetzt hier eine angenommene Bebauung hineinsetzt, …

 

… erkennt man, dass dadurch die Frischluftschneise erheblich eingeschränkt wird. Unabhängig von den tatsächlichen Plänen der Alianz ist hier einfach die benachbarte Bebauung auf den Sportplatz kopiert worden, um die Luftwiderstandswirkung zu demonstrieren. Ein Planungsgewinn in Millionenhöhe für einen finanzstarken Konzern zu gewähren ist je nach politischer Einstellung positiv oder negativ zu bewerten, eine für das Stadtklima notwendige Frischluftschneise zuzubauen ist eindeutig eine Umweltsünde.

 

Informations- und Ausspracheabend zum Bauvorhaben der Allianz

Immer wenn ein für die Einwohner/innen schädliches Projekt gegen deren Widerstand durchgesetzt werden soll, verkünden Stadtverwaltung und Presse dieses von allem Anfang an als schon beschlossen und nicht mehr zu ändern. Wir lesen dann nicht etwa: „Allianz will in Vaihingen bauen“, sondern die Überschrift lautet „Allianz baut in Vaihingen“.
Diese Absicht steht nun – mindestens für die Befürworter des Projekts – natürlich auch hinter dem auf Antrag der CDU beschlossenen Informations- und Ausspracheabend des Bezirksbeirats zum Siegerentwurf der Architekten für eine Bebauung des Allianz-Sportgeländes und seiner Umgebung. Weil der Entwurf vom Preisgericht einstimmig gekürt wurde, tut man jetzt so als seien alle mit der bisher umstrittenen Bebauung der Grünflächen einverstanden. Dem ist nicht so. Die Zustimmung zu diesem Entwurf bedeutet lediglich, dass dieser als der beste der eingereichten Vorschläge angesehen wird, nicht aber – so mindestens der Vertreter von SÖS/Linke/PluS -, dass er am vorgesehenen Ort realisiert werden darf.
Lassen Sie uns bei dem Informations- und Ausspracheabend deutlich machen, dass sich die Vaihinger Bevölkerung nicht von den architektonisch vielleicht gelungenen Beton- und Glaspalästen den Blick dafür verbauen lässt, dass die Realisierung am vorgesehenen Ort völlig fehl am Platze ist.
Dies umso mehr als inzwischen auch das lange versprochenen Verkehrskonzept für die Bewältigung von zigtausend mehr Verkehrsbewegungen in Vaihingen vorliegt – und außer dem widersinnigen Ausbau der Nord-Süd-Straße keinerlei auch nur mittelfristig realisierbare Lösungen beinhaltet.
Kommen sie deshalb zu dem von manchen wohl als Public Relations Veranstaltung für die Allianz gewünschten Ausspracheabend und machen Sie deutlich, dass die Planungen in Vaihingen weiterhin abgelehnt werden. Auf dass die Presse danach nicht vermelden kann: „Vaihinger mit Allianz-Projekt jetzt einverstanden“.

Informations- und Ausspracheabend

zum Siegerentwurf für das Allianz-Bauvorhaben

am Dienstag, den 12.9.2017 um 18:00 Uhr

in der Alten Kelter, Kelterberg