E-Mailaktion Stoppt die Allianz-Pläne #4

Nachdem in den letzten beiden Beiträgen der Serie die Antwort von Stadtradt Pfeifer und die Rückantworten veröffentlicht wurden folgt nun die E-Mail von Dr. Jürgen Franke (S-Vaihingen) an die Stadträte.

Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,

ich will Ihnen hiermit meine wichtigsten Bedenken gegen die geplante Bebauung des Allianz-Sportplatzgeländes in Vaihingen mitteilen:

1. Glaubwürdigkeit
Hier hat ganz offensichtlich ein finanzkräftiger Konzern die Möglichkeit langfristige, grundlegende Planungsentscheidungen in Stuttgart zu seinem eigenen Vorteil zu ändern. Ein Flächennutzungsplan ist ja nicht eine beliebig eingefärbte Landkarte, sondern wurde in einem ausführlichen Diskussionsprozess mit guten Begründungen so erstellt, wie er ist. Man wollte nicht, dass Siedlungs- und Gewerbegebiete sich ungebremst beliebig ausbreiten. Gezielt wurden Grünzüge festgesetzt, um Rest-Naturräume zu erhalten und die Frischluftzufuhr in die Stadt weiter zu ermöglichen.
Das alles wird jetzt den Konzerninteressen der Allianz untergeordnet – etwas, was einem kleinen privaten Grundstücksbesitzer so nie gewährt worden wäre. Dieser Vorgang fördert direkt weiter die Politikverdrossenheit und schädigt die Glaubwürdigkeit unserer demokratischen Institutionen. Schon alleine aus diesem Grund bitte ich Sie die Flächennutzungsplanänderung abzulehnen.

2. Verkehr
Das Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen ist heute schon viel zu stark vom Kfz-Verkehr belastet, weitere Steigerungen sind nicht mehr möglich, ohne dass es zu massiven Problemen kommt. Dennoch wird die Errichtung weiterer PkW-Stellplätze im Rahmen der Nachverdichtung genehmigt. Über welche Straßen sollen diese zusätzlichen PkW fahren? Im Gewerbegebiet sind die Straßen zu bestimmten Zeiten voll. Die Zufahrtsstraßen könnte man ausbauen, aber wieviel Natur wollen wir noch dem Autoverkehr opfern? Wieviele Feinstaubalarme wollen wir noch ausrufen? Wieviel Lärm wollen wir fürs individuelle Fahren ertragen? Diese Fragen sollten erst mal grundsätzlich diskutiert werden, bevor weitere verkehrserzeugende Maßnahmen genehmigt werden. Dann wäre ich dafür einen grundlegenden Verkehrsplan für die Stadtbezirke Vaihingen und Möhringen zu erstellen (an den sich dann alle halten müssen, auch die ganz großen Investoren). Mit der Seilbahnidee alleine kann die Genehmigung weiterer Nachverdichtungen nicht begründet werden. Wenn die Seilbahn eine Lösung wäre, müsste dafür eine konkrekte Planung erstellt werden und deren Bau vorher geschehen.

3. Klima
Stuttgart ist auf unbebaute Frischluftschneisen angewiesen, damit die frische Luft auch bis ins Zentrum vordringen kann. Diese Frischluftschneisen zu bebauen erschwert den Luftaustausch, erst recht, wenn solch gewaltige Baumassen hineingesetzt werden, wie es von der Allianz gewünscht ist. Genau dafür wurden im Flächennutzungsplan Grünzüge definiert, die von Bebauung freizuhalten sind. An dieser Argumentation für die Grünzuüge ändert sich nichts, nur weil ein Investor gerne ein Hochhaus bauen möchte. Die Pläne der Allianz sind schädlich für das Stuttgarter Klima. Das ist ein bedeutender Negativposten der Planung, den man nicht einfach unter den Tisch kehren darf.

4. Abwägungen
Natürlich ist es gut, wenn potente Arbeitgeber in unserer Stadt sind und ich bin auch prinzipiell dafür, dass sie bleiben. Ist aber nun mal die Situation so wie bei der Allianz, die sehr spezifische Anforderungen an ihren Standort stellt, muss im Rahmen eines Planungsprozesses auch danach gefragt werden, welcher konkrete Schaden der Stadt entstehen würde, wenn die Allianz z.B. in eine benachbarte Gemeinde umziehen würde.
Wenn man das mit betrachtet, entstehen nämlich noch andere Szenarien als die Bebauung im Grünzug am Rande des verkehrlich überlasteten Gewerbegebiets in Vaihingen. Mindestens eine Abwägung von Kosten und Nutzen dieses und anderer möglicher Szenarien bitte ich Sie einzufordern.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein Gutes Neues Jahr
Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Franke

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